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St. Helier

Saint Helier ist die rege Hauptstadt der größten Kanalinsel Jersey, malerisch an der Südküste in der St. Aubin’s Bay gelegen

Saint Helier – die Hartfakten


Vermutlich wurde Saint Helier das erste Mal während der römischen Besetzung Galliens besiedelt, Gemeinde und Stadt sind nach dem in Jersey umgekommenen Märtyrer Helerius († 555 n. Chr.) benannt.
Saint Helier ist eine der zwölf Gemeinden, Hauptstadt und gleichzeitig auch größte Stadt auf der größten der Kanalinseln, Jersey. Saint Helier liegt an der Ostseite der St. Aubin’s Bay an der Südküste der Insel. Im Gegensatz zur Hauptstadt Guernseys, St. Peter Port, ist Saint Helier auch im europäischen Vergleich ein lebendiges Zentrum – freilich nicht vergleichbar mit Metropolen wie London, Paris oder Berlin, kann dafür in Sachen Schönheit mit dem „kleinen Bruder“ Peter nicht mithalten. Mit knapp 29.000 Einwohnern hat Saint Helier etwa die Einwohnerzahl von Bregenz, ist dabei aber lediglich ein Drittel so groß. Obwohl sich das Regierungsgebäude im Bezirk St. Saviour befindet, ist Saint Helier Verwaltungssitz der Insel, was auch die gewissermaßen sternförmig auf die Hauptstadt zulaufenden Straßen verdeutlichen.


Saint Helier – ein Rundgang


Am besten erwählen Sie den lebhaften Liberation Square als Orientierungs- und Ausgangspunkt für Ihre Erkundungen. Nicht nur, dass von hier aus die zahlreichen Busverbindungen ausgehen, auch ist die Lage nahe der sehenswerten Hafenanlagen, des Elizabeth Castle und der Altstadt eine ausgezeichnete – und Sie befinden sich gleich auch bei der bedeutenden Figurengruppe, die zur Erinnerung an die Befreiung von der deutschen Besatzung 1995 hier errichtet wurde.


Gleich in unmittelbarer Nähe locken zwei hervorragende Museen zum Besuch: Sowohl das östlich gelegene Jersey Museum wie auch das südlich gelegene Jersey Occupation And Maritime Museum laden ein, interaktiv in die Geschichte der Insel einzutauchen und neben Erholung auch noch massig Wissen nach Hause mitzunehmen. Bedenken Sie: Beides betrifft Ihre Gepäcksbeschränkungen nicht, schöpfen Sie also aus den Vollen!


Im Norden Ihres Ausgangspunktes tauchen Sie über Castle- oder Conway Street ein in die belebte Haupteinkaufs- und Flanierstraße, die King Street. Damit Sie bereits jetzt einen Eindruck von der King Street gewinnen: Legen Sie Salzburgs Goldenes Gässchen über die Wiener Mariahilfer Straße und Sie haben die Schönheit der einen wie den Geschäftereichtum der anderen vereinigt in Saint Helier wieder. Am Kreuzungspunkt King Street, Broad Street, York Street und Castle Street – Charing Cross – heißen Sie die Inselbewohner mit ihrem Kröten-Monument herzlich willkommen. Gen Osten führt Sie die Einkaufsstraße zu den beiden Markthallen Central Market (Blumen, Obst, Gemüse, Fleisch, Feinkost vereinigt unter einer beeindruckenden Dachkonstruktion, 1881 erbaut) und Fish Market / Beresdorf Market (1854 erbaut; besonders am frühen Vormittag ob des reichen Angebots einen Besuch wert) bis hinauf zum ehemaligen Marktplatz, dem Royal Square mit dem 1866 errichteten Royal Court, an dessen Fassade Sie unter anderem die Büste von Lord Alexander Moncrieff Coutanche erblicken, der während der deutschen Besatzung Bailiff von Jersey war. Vom kleinen Balkon über seiner Büste hat er damals offiziell die Befreiung bekannt gegeben.


Am Platze selbst stoßen Sie auf die güldene Figur von George II., dem die Stadt die Finanzierung des neuen Hafens und damit wirtschaftlichen Aufschwung Mitte des 19. Jahrhunderts verdankt. Der Name des Platzes aber bezieht sich auf einen anderen König, nämlich auf Charles II., der auf diesem Platze 1649 zum König ausgerufen wurde nachdem sein Vater durch Cromwell hingerichtet wurde. Und noch ein weiteres für Jerseys Geschichte bedeutendes Ereignis hat sich hier zugetragen: Eine Plakette, die auf der Platzmitte im Boden eingelassen ist, erinnert an die spektakuläre Battle of Jersey, die hier am 6. Januar 1781 zwischen Franzosen und der Inselarmee ausgetragen wurde.


Westlich des Platzes steht die Parish Church von St. Helier, deren Vorgängerbau nicht nur auf die Zeit vor dem 12. Jahrhundert zurückgeht, bevor sie im 14. Jahrhundert auf die heutige Größe erweitert wurde und heute auch Gedenktafeln für zahlreiche bedeutende Insulaner beherbergt.


Saint Helier – Sehenswürdigkeiten


1155 wurde auf L’Islet, einer Landfläche vor der St. Aubin’s Bay, die bei Hochwasser zur Insel wird, eine Abtei gegründet. Auf jenem Gelände befindet sich heute Elizabeth Castle, das von Sir Walter Raleigh während der Reformation errichtet wurde und Mont Orgueil als Hauptbefestigung der Insel ersetzte – auch weil man gewahr wurde, dass Gorey Castle im Inselosten zu Verteidigungszwecken nicht mehr ausreichte.


Beeindruckend ist allein auch schon der Weg zum Castle, den Sie bei Ebbe zu Fuß, bei Flut mit einem Amphibienfahrzeug („Puddle Duck“) beschreiten. Planen Sie für den Besuch der Festungsanlage zumindest zwei Stunden ein, am besten um die Mittagszeit herum, wird immerhin zwischen 12:30 und 13:00 Uhr auf dem Gelände im Rahmen einer ulkigen Zeremonie ein Böllerschuss abgefeuert. Überhaupt erleben Sie durch schauspielerisches Feingefühl am Gelände einen Einblick in die „damalige“ Zeit, als das Soldatentum noch ein wahrlich harter Job war und Amputationen alles andere als „klinisch“ durchgeführt wurden.


Südlich der Jardins de la Mar, dem Abfahrtsort der Puddle Ducks, liegt in geringer Gehdistanz am oberen Ende des Albert Harbour das Maritime Museum, das in einem Lagerhaus des 19. Jahrhunderts eingerichtet ist. 1997 eröffnet, wurde es 1999 gemeinsam mit acht anderen europäischen Museen mit einer speziellen Empfehlung ausgezeichnet1 – zu Recht.


In der Tat hätte man sich kaum träumen lassen, was es rund um die Seefahrt, Fischerei und das Meer alles zu sehen, wissen und zu lernen gibt – und vor allem staunt man, wie leicht und spielerisch viel Wissenswertes vermittelt wird. Das Museum ist trotz des „spielerischen“ Charakters kein Museum für Kinder allein, auch Erwachsene und sogar gestandene Seebären werden nicht aufgrund der Größe allein in Staunen versetzt. Schiffsmodelle, Gemälde und physikalische Phänomene vermischen sich hier zu einem „Knowledge-Happening“, das zeigt, dass gerade Wissen ob des Maritimen alles andere als „trocken“ vermittelt werden kann.


In einer Lagerhalle gleich nebenan ist der Occupation Tapestry ausgestellt. Jener „Besatzungsteppich“ wurde zum 50. Jahrestag der Befreiung von der deutschen Besatzung im Mai 1995 fertig gestellt, Vorbild war der berühmte Teppich von Bayeux, der die Eroberungsfahrt von Wilhelm dem Eroberer im 11. Jahrhundert nach England zeigt. Sieben Jahre lang stickten insgesamt 227 Frauen – und ein Mann! – aus den zwölf Inselgemeinden an den zwölf Wandteppichen, die Szenen nach Vorlage von Originalfotos aus der Zeit zwischen 1940 und 1945 zeigen.


Östlich jener Hallen stoßen Sie auf das Jersey Museum, das mit einer sehr anschaulichen und abwechslungsreichen Ausstellung über die Geschichte und das Leben auf der Insel informiert. 1893 von der Société Jersiaise ins Leben gerufen, genießt das Museum einen überaus guten Ruf und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Eine hervorragende Sammlung, die in anspruchsvoller und einfallsreicher Aufbereitung zugänglich ist, ist das Kernstück der Wissenstransportation.


Vom Audiovisual Theatre im Erdgeschoß, das eine Einführung über die Inselgeschichte gibt, über eine Nachbildung der Höhle La Cotte de St. Brelade, in der die ältesten Spuren einer menschlichen Anwesenheit auf den Kanalinseln gefunden wurden, über Einblicke in Landleben, Fischerei und Verwaltung, bis hin zu Höreindrücken des Jèrriais, des auf Jersey gesprochenen westnormannischen Dialekts und einer Kunstgalerie könnte ein Eintauchen in die große Geschichte einer kleinen Insel kaum intensiver sein.

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