Menü schließen

Jersey War Tunnels

Gebaut im 2. Weltkrieg, ist die Hohlgangsanlage 8 heute ein beliebter Tourismusmagnet – nicht „schön“, dafür informativ und hervorragend gestaltet.

Jersey War Tunnels – Geschichte intensiv erleben


Die Jersey War Tunnels wurden als Teil der Festung Jersey ab 1941 von der Organisation Todt angelegt, einer nach militärischem Vorbild organisierte Bautruppe, die u.a. auch für den Ausbau des Westwalls und des Atlantikwalls verantwortlich zeichnete.


Die Hohlgangsanlage 8, wie sie damals hieß, war zunächst als Munitionslager gedacht, 1944 wurde sie in ein unterirdisches Lazarett „umgewidmet“. Heute ist in den grob ein Kilometer langen Schächten eine Ausstellung mit verschiedenen Themenkomplexen (so zum Beispiel „Kooperation und Widerstand“, „Bleiben oder die Insel verlassen?“, „Tägliches Leben auf den Inseln“, etc.) über die Zeit der deutschen Besatzung auf den Kanalinseln zu sehen – und verglichen mit den weiteren, um dieses Thema kreisenden Attraktionen (so zum Beispiel das German Occupation Museum auf Guernsey), definitiv die aufwändigste, beste und informativste.


Die Ausstellung – seit 2001 „Captive Island“ – hat es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Inseln und ihrer Bewohner während der Besatzungszeit durch die Nazis nachzuerzählen – und dies gelingt den Verantwortlichen auf eine beeindruckende und beklemmende, intensive Art und Weise.


Jersey War Tunnels – Bauherr Adolf Hitler


Im Herbst 1941 gab Adolf Hitler den Befehl, die Kanalinseln als Teil des Atlantikwalls zu festigen. Dies resultierte in einer Vielzahl an Befestigungsanlagen auf Jersey (und auch auf Guernsey), die Hohlgangsanlage 8 sollte ein riesiges Netz aus Tunneln unter der Erde werden, mit denen die deutsche Besatzungsmacht den Luftangriffen und Bombardements der Alliierten in Vorbereitung für eine Invasion standhalten würden. Hierfür wurde die Organisation Todt beauftragt, eine Bautruppe, die seit 1938 unter dem Kommando von Fritz Todt auf Weisung durch Adolf Hitler für „Baumaßnahmen in den von Deutschen besetzten Gebieten“ eingesetzt wurde. An der Ho8 arbeiteten sowohl Zwangsarbeiter wie auch bezahlte Arbeiter und Fachkräfte – vorwiegend Polen, Franzosen, Russen und Spanier. Die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter waren grausam – Unterernährung, Tod durch Erschöpfung und Krankheiten standen an der Tagesordnung. Die freiwilligen Arbeiter jedoch wurden bestens behandelt, ihre Löhne betrugen teilweise das Vierfache vergleichbarer Entlohnungen auf den Kanalinseln, nebst zusätzlichen Lebensmittelrationen.


Wie der Name – Hohlgangsanlage 8 – bereits vermuten lässt, ist dies nicht das einzige Tunnelsystem auf Jersey (insbesondere im Bereich St. Peter’s Valley), allerdings eines der wenigen über den Status der Planung hinaus zumindest teilweise fertiggestellten. Anlage 1 ist heute in Privatbesitz und beherbergt eine Pilzfarm, Anlage 4 ist heute ein Wasserspeicher, Anlage 5 im Staatsbesitz – die übrigen Tunnelsysteme von insgesamt 19 liegen heute brach.


Ende 1943, als die Gefahr einer alliierten Invasion immer drohender über Hitlerdeutschland thronte, wurde Ho8 in ein Untergrund-Hospital umgewandelt und bot Betten für grob 500 Patienten. Jener „Luxus“ – also medizinische Behandlungen in einem geschützten Umfeld mit Heiz- und Klimaanlagen sowie Ventilation für einen „sauberen Luftstrom“ – wurde freilich nur für deutsche militärische Kriegsopfer zugestanden, zivile Opfer hatten Nachsehen. Der Rest ist Geschichte.


Jersey War Tunnels – vom Kriegsrelikt zum Museum


Nachdem nach Kriegsende kein Bedarf mehr für Ho8 bestand und britische Soldaten und Souvenirjäger anfingen, das Tunnelsystem auszuräumen, öffneten die States of Jersey den Tunnel bereits 1946 für die Öffentlichkeit. Im Jahr 1961 entschied das Royal Court, dass das Tunnelsystem in Privatbesitz übergehen solle, an jene, denen das Land über der Hohlgangsanlage 8 gehörte. Der Komplex wurde restauriert und gleichzeitig ein Museum wie auch Gedenkstätte installiert. Seit 2001 findet der Besucher die ständige Ausstellung „Captive Island“ im Tunnelsystem vor, die sowohl Kriegs- wie auch Inselgeschichte mit dem nötigen Maß und Mix aus geschichtlicher Fundierung, Respekt an die Vergangenheit und Information bietet – interaktiv, aber ohne billige Effekthascherei.


Jersey War Tunnels - Öffnungszeiten


Die Jersey War Tunnels liegen im Landesinneren nahe der Südküste Jerseys, etwa in der Mitte zwischen St. Aubin und St. Helier. Das Museum ist täglich von März bis Ende November geöffnet, und zwar zwischen 10 Uhr und 18 Uhr (letzter Einlass um 4:30 Uhr). Ausnahmen bilden nur Liberation Day (9. Mai) und Battle Of Flowers (9. August) – hier jeweils  geöffnet von 10 Uhr bis 14 Uhr, letzter Einlass um 12:30 Uhr.

Erwachsene zahlen für den Eintritt in den Gesamtkomplex £ 11.20, Kinder zwischen 7 und 16 Jahren £ 7.20, Senioren £ 10.20 und Studenten £ 8.20.

Sollten Sie nicht selbständig anreisen wollen, so empfiehlt sich der kostenpflichte Shuttlebus, der stündlich ab 10:15 Uhr bis 16:15 Uhr bei Liberation Station in St. Helier abfährt, die Rückfahrt ebenfalls stündlich bis 17:45 nach ebendort antritt. Ein Hin- und Rückfahrtticket kostet aktuell für Erwachsene £ 5, für Kinder unter 12 Jahren £ 3.


In den Jersey War Tunnels liegt die Temperatur das ganze Jahr bei rund 10 Grad Celsius. Es ist daher äußerst ratsam auch im Sommer an ausreichend warme Kleidung zu denken.

In der Umgebung von Jersey War Tunnels