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Elizabeth Castle

Die großzügig angelegte Befestigungsanlage vor St. Helier blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und bietet heute ein herausragendes Besuchererlebnis.

Elizabeth Castle – Entstehungsgeschichte


In einer kleinen Höhle auf dem Hermitage Felsen in der St. Aubin’s Bay jenseits des Islets, auf welchem sich heute Elizabeth Castle befindet, lebte vermutlich schon im 6. Jahrhundert n.Chr. der asketische Einsiedlermönch und späterer Märtyrer Helerius, der heute als Namensgeber der Stadt und Gemeinde und Schutzpatron der Insel gilt und dem heute alljährlich am 17. Juli vor Ort ein Gottesdienst gegeben wird. Nach seinem Tod im Jahre 555 n.Chr., so heißt es, hätte Bischof Marculf von Coutances eine kleine christliche Mission hier aufgebaut, die wohl im 9. Jahrhundert zerstört wurde. 1155 wurde an jener Stelle eine Augustinerabtei errichtet, von der heute jedoch nichts mehr erhalten ist.


Elizabeth Castle selbst entstand im 16. Jahrhundert, als man gewahr wurde, dass Gorey Castle im Inselosten zu Verteidigungszwecken nicht mehr ausreichte, da es für die moderne Kriegsführung keinen ausreichenden Schutz bot. Zudem hatten sowohl St. Helier wie auch das am anderen Ende der Bucht gelegene St. Aubin an Bedeutung gewonnen, sodass man bereits 1550 Geschütze auf L’Islet, einer Landfläche vor der St. Aubin’s Bay, installierte. Insbesondere gegen die stets drohenden Angriffe von französischen und spanischen Schiffen richtete sich die Aufrüstung, die zwischen 1590 und 1601 vom Militärarchitekten Paul Ivy im Auftrag von Sir Walter Raleigh im Bau des Kastells im wahrsten Sinn des Wortes ihre Krönung fand.


Elizabeth Castle wurde somit Hauptquartier der strategischen Kräfte Jersey wie auch Sitz des Gouverneurs und des Lieutenant-Governors, der erste Einsatz war im Englischen Bürgerkrieg  in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Hier hielt sich Carles II. auf und wurde von Sir George Carteret zum König ausgerufen, obwohl die Monarchie in England abgeschafft wurde. 1651 landeten jedoch Parlamentarier auf Jersey und bombardierten Elizabeth Castle mit Mörsern, sodass man sich schlussendlich ergeben musste.
Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) trat Elizabeth Castle erneut militärisch in Erscheinung, als französische Gefangene hier inhaftiert wurden, darunter auch Jean-Louis Le Loutre. Im Jänner 1781 („Battle of Jersey“) landeten die Franzosen unter Baron Phillipe de Rullecourt in St. Helier, den für Jersey siegreichen Ausgang der kurzen aber heftigen Kämpfe fand  am Royal Square statt. Nachdem man in Folge dessen Elizabeth Castle eine leichte Verwundbarkeit attestierte kaufte die britische Regierung Fort Regent am Le Mont de la Ville, wo fortan die wichtigsten britischen Garnisonen stationiert waren.
Im 20. Jahrhundert, genauer 1923, wurde aus Elizabeth Castle schließlich ein Museum unter der Obhut der States of Jersey, bevor der Zweite Weltkrieg erneut den alten Aufgabenbereich auf L’Islet installierte. Nach der Befreiung freilich wurde das Kastell wieder instand gesetzt und erneut als Museum unter der Administration von Jersey Heritage der Öffentlichkeit zugängig gemacht.


Elizabeth Castle – der Aufbau


Sobald Sie bei Ebbe den Damm zwischen Les Jardins de la Mer und Elizabeth Castle beschritten haben oder bei Flut mit einem der Amphibienfahrzeugen übergestoßen sind betreten sie den Burgfelsen L’Islet und damit auch die Festung durch das am Fort Charles an der Nordspitze errichtete Haupttor (1646). Im Wächterhäuschen direkt am Eingang wird ein kurzer historischer Überblick gegeben.
Der Weg führt zum Zweiten Tor (1697) mit Wappen des damaligen englischen Königs Wilhelm III., des damaligen Gouverneurs Lord Jermyn und des Lieutenant-Governors Lt. Colonel Collier. Jenes durchschritten habend, befinden Sie sich im äußeren Burghof, mit im 17. Jahrhundert angelegten Bastionen und deutschen Bunkern. Hier stand dereinst eine Windmühle, später wurden ein Krankenhaus und Werkstätten erbaut. Man passiert die 1770 angelegte „Hauptbatterie“, von der zur Mittagszeit im Rahmen eines zeremoniellen Ulktheaters immer noch ein Schuss abgegeben wird, und erreicht oberhalb des kleinen Hafens Sally Port das Dritte Tor und den eigentlichen Haupteingang zum Kastell.


Im Unteren Burghof finden Sie die ehemaligen Kasernen (heute ein Cafe und Museumsshop), das Offiziersquartier (heute ein Burgmuseum), Unterrichtsräume (heute ein Militärmuseum). Im Wachhaus, das unmittelbar neben dem Eingang steht, hatten im 19. Jahrhundert Schuhmacher und Schneider ihre Läden. Der Platz selbst, von Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert flankiert, diente als Paradeplatz – und wird heute zur allgemeinen Unterhaltung immer noch als solcher genutzt.


Durch das Iron Gate und das Queen Elizabeth’s Gate (beide von 1600) erreicht man den Oberen Burghof und somit die von Paul Ivy gebaute Burganlage. Das größte Gebäude ist hier das Governor’s House von 1590, in dem die Gouverneure von Jersey residierten, die zuvor ihren Sitz auf Gorey Castle gehabt hatten. Wo dereinst Sir Walter Raleigh und Prinz Charles während seines Exils residierten, finden Sie heute Ausstellungen. Inmitten thront „The Mount“, also „der Berg“, die eigentliche Verteidigungsanlage, 1594 mit vier Kanonen erbaut und von den Deutschen durch einen Turm und installiertem Flugwehrgeschütz erweitert. Von hier aus gelangen Sie auch über abwärtsführende Stufen zum Wellenbrecher, der 1887 als Verbindung zum Hermitage Rock gebaut wurde. Zu sehen ist dort die Ruine einer Kapelle.


Elizabeth Castle – touristische Informationen


Das Kastell ist zwischen April und Oktober geöffnet, täglich zwischen 10:00 und 18:00 Uhr. Es empfiehlt sich des Erlebnis wegen zumindest Hin- oder Rückweg mit dem Amphibienfahrzeug zurück zu legen. Der Jersey Pass wird beim Elizabeth Castle akzeptiert, ansonsten sind die Preise mit £ 12 für Erwachsene ab 16 Jahren (Ermäßigungen für Senioren, Kinder ab 6, Studenten und Familien) überaus moderat angesetzt.
Es empfiehlt sich, mindestens zwei Stunden für einen Besuch einzuplanen, am besten rund um die Mittagszeit herum, wird immerhin zwischen 12:30 und 13:00 der zeremonielle Böllerschuss abgefeuert.

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